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Inhalt - Band 3 „Erneuerbare Energie in der Land(wirt)schaft“
   
  Energie aus Biomasse - eine Stärkung für den ländlichen Raum!

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbande


Leseprobe aus dem Buch:

Erneuerbare Energie in der Land(wirt)schaft 2000 - Band 3

Es besteht kein Zweifel

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien stellen eine Herausforderung für viele Landwirte und den ländlichen Raum in Deutschland dar. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetzes hat die Politik einen Schritt in die richtige Richtung auf dem Weg zur Verdopplung des Anteils erneuerbarer Energien bis 2010 getan. Die Festlegung der Einspeisevergütungen sichert auch im liberalisierten Strommarkt Investi-tionen in erneuerbare Energien ab. Bei der Entstehung des Gesetzes hat sich der Deutsche Bauernverband besonders stark gemacht, dass Strom aus fester Biomasse und aus Biogas langfristig mit bis zu 20 Pfennig pro Kilowattstunde vergütet wird. Damit wird die Stromer-zeugung aus Biomasse erstmals wirtschaftlich interessant. Die neuen Vergütungssätze dürf-ten deutliche Anreize geben, so dass der Anteil regenerativ erzeugten Stroms weit schneller und stärker als bisher zunehmen wird.

Auf der anderen Seite macht die zu erwartende Kostenbelastung der Endverbraucher im Rahmen des Erneuerbaren Energien Gesetzes im Durchschnitt weniger als einen halben Pfennig pro Kilowattstunde aus. Sie liegt damit deutlich unter dem Betrag der Entlastung durch die Strompreissenkungen im liberalisierten Markt. Damit wird auch der private Ver-braucher nicht über Gebühr belastet.

Letzteres dürfte ganz im Sinne der deutschen Land- und Forstwirte sein, die – besonders im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit – auf niedrige Energiekosten angewiesen sind.

Das Erneuerbare Energien-Gesetz allein dürfte allerdings den Durchbruch für alternative Energieträger noch nicht bringen. Dazu sind vor allem die spezifischen Investitionskosten in diese Energieanlagen im Vergleich zu herkömmlichen Kraftwerken noch zu hoch. Es war deshalb richtig, aus der Ökosteuer ein Marktanreizprogramm zu speisen, das mittlerweile bis zum Jahr 2003 von jährlich rund 20 auf gut 200 Millionen DM erhöht wurde. Der Biomasse wird darin eine besondere Stellung eingeräumt. Mit Unterstützung des Deutschen Bauern-verbandes wurde erreicht, dass von diesem Marktanreizprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums jährlich 70 Millionen DM für Investitionen in Energieanlagen auf Basis von Biomasse reserviert werden.

Damit besteht künftig die Möglichkeit, Biomasseanlagen kostengünstig zu errichten und den dort erzeugten Strom zu Festvergütungen zu verkaufen. Die Stromerzeugung aus Biomasse wird sich somit neben Wasser- und Windkraft etablieren und neue einkommens- und ar-beitswirksame Perspektiven im ländlichen Raum aufzeigen.

     
 

Durchbruch der erneuerbaren Energieträger durch neue Rahmenbedingungen

Unter den heutigen Rahmenbedingungen sind die Landwirte gezwungen, selbst innovative und kreative Produkte zu entwickeln oder in neue Märkte einzusteigen. Der Einstieg in die Nutzung von Wind- und Bioenergie kann ein solcher innovativer Schritt sein und neue Ein-kommensquellen für Landwirte erschließen. Daneben kann eine verstärkte Nutzung aller erneuerbaren Energien künftig spürbar zur Stärkung der ländlichen Infrastruktur beitragen.

Bisher spielen erneuerbare Energien für die Energieversorgung in Deutschland erst eine untergeordnete Rolle. Beispielsweise betrug ihr Anteil an der Bruttostromerzeugung im Jahr 1999 nur etwa 5 Prozent. Dieser Beitrag wurde in erster Linie durch Wasserkraft geleistet. Von Seiten der Politik wird den erneuerbaren Energieträgern zur Sicherung des zukünftigen aber eine zunehmende Bedeutung beigemessen. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist es, die erneuerbaren Energien stärker zu nutzen und den Anteil der erneuerbaren Energie-träger in Deutschland an der Stromerzeugung auf 10 Prozent bis zum Jahre 2010 zu ver-doppeln.

Den entscheidenen Anteil an diesem Wachstum wird der Bioenergie zugerechnet. Die Ener-gie- und Stromgewinnung aus Gülle, Energiepflanzen, Bioabfällen usw. birgt somit ein ge-waltiges Wachstumspotential mit vielfältigen Marktchancen. Hier sollten Land- und Forstwir-te nicht nur Zuschauer sein, sondern die sich bietenden Möglichkeiten ausschöpfen. Der Erfolg der erneuerbaren Energien hängt also wesentlich von der Unterstützung durch die deutsche Land- und Forstwirtschaft ab.

Zukünftig wird es aber auch vor allem darauf ankommen, dass die umweltfreundlichen Technologien zur Energieerzeugung aus Biomasse wettbewerbsfähiger werden. Durch die Erhöhung der Stückzahlen von Bioenergieanlagen kann erwartet werden, dass diese Anla-gen standardisierter und damit auch wesentlich billiger werden - was sich wieder positiv auf die Rentabilität auswirkt.

Denn der Erfolg neuer Technologien kann mit politischen Anreizprogrammen nur angesto-ßen werden. Für eine dauerhafte Etablierung erneuerbarer Energien ist eine deutliche Sen-kung der spezifischen Investions- und Betriebskosten erforderlich. Auf absehbare Zeit ist es unerlässlich, dass sich für die Erneuerbaren Energien ein Markt entwickelt, der sich selbst trägt.

Neue Einkommensalternativen für Landwirte

Neben der Einkommensalternative für Landwirte bietet die Nutzung regenerativer Energien einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Klimaschutz. Besonders vor dem Hintergrund der politischen Zielvorgabe, die jährliche CO2- Emissionen in Deutschland von rund 1 Mrd. Tonnen im Jahre 1990 auf 770 Mio. Tonnen im Jahre 2005 zu reduzieren, unterstreicht die Bedeutung der erneuerbaren Energien. Gegenwärtig dürfte etwa erst die Hälfte der notwen-digen Emissionsreduktion erreicht sein. Erneuerbare Energien, die weitgehend CO2-neutral sind, haben dazu trotz ihres gegenwärtig relativ bescheidenen Anteils an der Gesamtener-gieversorgung bereits mit gut einem Sechstel beigetragen.

Besonders die landwirtschaftliche Biogasnutzung besitzt ein großes Kohlendioxid-Minderungspotenzial. Große Chancen bestehen hier u.a. zukünftig bei der Vergärung von nachwachsenden Rohstoffen zu Biogas, die auf Stilllegungsflächen angebaut werden. Die bäuerliche Bioenergienutzung bietet somit auf absehbare Zeit eine wirksame Maßnahme zum Klimaschutz und sollte deshalb auch gesellschaftspolitisch größere Anerkennung finden.

Für die Bioenergie bedeuten die oben angesprochenen Rahmenbedingungen einen deutli-chen Schritt nach vorn. Der Deutsche Bauernverband ermutigt daher alle Land- und Forst-wirte, durch die Erzeugung von umweltfreundlicher Energie einen neuen Betriebszweig und damit alternative Einkommensquellen zu erschließen.